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Fünf Axiome des Bewusstseins

1. Bewusstsein ist eine nicht-objekthafte Erfahrung

2. Bewusstsein ist immer selbstbewusst

3. Bewusstsein ist immer „jetzt“

4. Bewusstsein ist nicht lokalisierbar und grenzenlos

5. Bewusstsein ist unpersönlich 


Erklärung:

1. Alle körperlichen und geistigen Eigenschaften und unsere Zuschreibungen (ich bin dies, ich bin das) sind wie alles Objektartige vorübergehend. Sie verschaffen uns also keine unveränderliche, bleibende Identität. Dasjenige, das uns eine unvergängliche Identität verschafft, kann also selbst nichts Objektartiges (Dinge, Gedanken, Empfindungen) sein. Was wir im Kern sind, was wir als „Ich“ bezeichnen, ist das gegenwärtige Bemerken bzw. Erfahren der objekthaften Wahrnehmungen. Man nennt die nicht-objekthafte Bezeugung unseres Daseins auch „Bewusstsein“. Das bezeugende Bewusstsein bildet den kontinuierlichen Hintergrund aller objekthaften Erfahrung. 

Die Erfahrung, in diesem Moment bewusst anwesend zu sein, ist unsere primäre Erfahrung. Sie geht allen gegenständlichen, also objekthaften Erfahrungen voraus und ist gleichzeitig deren Voraussetzung. Die Erfahrung der eigenen Bewusstheit ist die einzige nicht-objekthafte Erfahrung, die wir haben. Nicht-objekthaft bedeutet, dass sie nicht mit Mitteln der Sprache bzw. durch gegenständliche Attribute beschrieben werden kann. Im Gegensatz zu den relativen, sich ständig wechselnden objekthaften Erfahrungen ist die Erfahrung des Bewusstseins unvergänglich und absolut.

 

2. Die eigene Feststellung „bewusst zu sein“ ist nur möglich, wenn ich um meine „Binheit“ weiß. Bewusstsein schließt also das Wissen um sich selbst immer mit ein. Dieses Wissen ist Bewusstsein immanent bzw. seine Natur. Die Trennung von Bewusstsein und Selbstbewusstsein hätte einen unlogischen, unendlichen Regress zur Folge, wobei stets eine Ebene der bewussten Wahrnehmung (inneres Auge) eine höhere Ebene der Selbstwahrnehmung voraussetzt.

 

3. In Gedanken gibt es nur Vergangenheit und Zukunft, die Gegenwart erscheint als unendlich kurz. Die Gegenwart bildet also gedanklich nur eine hauchdünne Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft. Dagegen finden Erfahrungen, Gefühle und Gedanken immer im gegenwärtigen Moment statt. Wir erleben ein endloses „jetzt“. Vergangenheit und Zukunft sind gedankliche Konzepte, die niemals direkt erfahren werden. Was als unendlich dünne Linie gedacht wird (die Gegenwart), ist in der bewussten Erfahrung die einzige wirklich existierende Realität. Diese Realität ist zeitlos (außerhalb der Zeit) und ewig. 

 

4. Die Unbegrenztheit des Bewusstseins ist eine logische Folge seiner nicht-objekthaften Eigenschaft, die keine Unterscheidbarkeit und Trennung aufweisen kann. Auch gemäß eigener Erfahrung gibt es keinen Unterschied zwischen innerem Bewusstsein und äußerer Welt. Die Aufteilung der Wahrnehmungen in Innen (in mir) und Außen (nicht in mir) ist nicht real. Sämtliche Erfahrungen werden aus derselben Position (dem „hier“) bezeugt. Entsprechend kann der Körper nichts erfahren, sondern ist selbst Gegenstand der Erfahrung. Anders ausgedrückt: Es ist nicht der Körper, der die Welt erfährt, sondern Welt und Körper werden gleichermaßen vom Bewusstsein bezeugt. Entsprechend ist die Begrenzung des Bewusstseins auf einen individuellen Körper (Gehirn) nicht plausibel. Raum und Lokalisation sind inhaltliche Aspekte von Bewusstsein, nicht umgekehrt. Kein lokales Phänomen (z.B. ein Gehirn) bietet eine Information über eine nicht-objekthafte bzw. raumlose Erfahrung. Auch die Gehirnforschung hat bisher keine Lokalisation des Bewusstseins im Gehirn gefunden.

 

5. Auch die Unpersönlichkeit des Bewusstseins ist eine logische Folge seiner nicht-objekthaften Eigenschaft, die keine individuelle Unterscheidung dieser Erfahrung zulässt. Dasjenige, das die Welt wahrnimmt, das aus unseren Augen herausblickt, ist nicht individuell, sondern unpersönlich und grenzenlos. Demnach gibt es nur ein Bewusstsein bzw. nur ein „Selbst“. Im Bewusstsein besitzen alle Menschen dieselbe Ich-Identität. So nennt sich z.B. der alttestamentarische Gott „Jawe“, was so viel heißt wie „Ich bin, der Ich bin“ (Ich bin selbstbewusst und ich bin das einzige Selbst, das es gibt).