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Auszüge aus den Reflexionen des Kurses WS 18/19

Am Ende des Kurses "Wer ist Ich?" vom Wintersemester 18/19 beschrieben sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Erfahrungen mit dem Kurs und mit bestimmten ausgewählten Inhalten in mehrseitigen Reflexionsberichten bzw. Essays. Es folgen einige ausgewählte Auszüge aus diesen Texten. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer studierten im 1. Semester an der HS Coburg. 

 


Ein Grundproblem des eigenen Minderwertigkeitsgedankens kann sein, dass der Mensch sich immerzu von anderen separiert. lm Zuge der Globalisierung, und damit einer zunehmenden Homogenisierung der Gesellschaft durch sich angleichende Lebensstandards und Werte, trifft vor allem der Begriff des Individualismus auf offene Ohren. Werbebranchen fetischisieren ihn und bieten beispielsweise individuelle Mode für jedermann an, die auch gerne gekauft wird - denn wer will nicht individuell sein? Jene Individualität, die dafür sorgt, dass wir uns von anderen - vornehmlich weniger geschätzten gesellschaftlichen Gruppen - abgrenzen, trennt uns aber schon per Definition von allen anderen Menschen (Individuum = Mensch als Einzelwesen). (…) Fragt man nun einen Menschen wer er ist, so wird er seinen Charakter, seine Tätigkeiten, aber auch sein äußeres Erscheinungsbild beschreiben. Das Problem ist, dass der Akt des Beschreibens vor allem auch auf Objekte angewandt wird. Das bedeutet, dass jemand der sich beschreibt geistig einen Schritt aus seinem Körper heraustritt und als erstes seine Physiognomie wahrnimmt, die sich wie ein Gegenstand beschreiben lässt. (…) Der Mensch trennt Objekte per se, um sie benennen zu können, weshalb er es wohl aus Gewohnheit auch bei sich selbst tut. Jene Trennung evoziert jedoch das Gefühl der Unvollständigkeit, es fehlt immer Etwas. Manche Menschen suchen dieses Etwas in teuren Dingen, Anerkennung oder Liebe. Allerdings sind all diese Dinge, materiell oder immateriell vergänglich oder nach einer gewissen Zeit nicht mehr ausreichend. Das einzige was ein Mensch immer haben wird ist sich selbst, sein „Ich“. Sucht er die Antwort auf seine Fragen in diesem „Ich“, so wird er feststellen, dass es nie einen Anlass gab sich auf die Suche nach Etwas zu machen. Das „Ich“ war immer da, wird immer da sein - es ist nicht greifbar, definierbar, und aus eben diesem Grund auch unmöglich unvollständig oder ungenügend.

 

Moriz Hertel, Student der Innenarchitektur


Schon das Video gleich zu Beginn unseres Seminars hat mich zum Nachdenken angeregt. Es wird gesagt, dass wir alle ständig auf der Suche nach etwas sind. lm Endeffekt auf der Suche nach dem Glück. Irgendwie auf der Suche nach uns selbst. Wir denken immer uns fehle etwas, fühlen uns unvollständig. So beginnen wir, uns Ziele zu setzen, die wir in Zukunft erreichen möchten, um uns dann hoffentlich vollständiger und glücklicher zu fühlen. (…) Was ist aber, wenn das Erreichen unseres Ziels, also die zukünftige Zeit, in der wir endlich glücklich sein werden, niemals kommen wird? Wir wissen nie, was im Leben passiert. Was ist, wenn in zwei Jahren schon alles vorbei ist? Und dann? Was hatte man dann davon sich gestresst zu haben seine Ziele zu erreichen, nur um dann später irgendwann glücklich zu sein? Wir verschieben unser Glück immer auf später bis es irgendwann vielleicht zu spät ist. Sollten wir nicht viel mehr jetzt, genau diesen Moment nutzen? Denn der Moment, in dem du lebst, ist immer jetzt. Nur jetzt haben wir die Möglichkeit zu handeln. Nur jetzt haben wir die Möglichkeit glücklich zu sein. Natürlich, es ist einfach menschlich, dass wir uns bestimmte Ziele setzen. Und das ist ja auch völlig in Ordnung so. Aber wir dürfen sie nicht als Bedingung für unser Glück sehen. Unser Glück hängt nicht vom Erreichen unserer Ziele ab! (…)

Ich würde aus eigener Erfahrung behaupten, dass das Glücksempfinden auf lange Zeit gesehen nicht bestehen bleibt. Es wird verfliegen und wir werden denken, wir müssen uns neue Ziele setzen und diese erreichen, um das Gefühl des Glücks zurück zu erlangen. Doch letztendlich können wir unser Glück nirgendwo da draußen finden. Und auch eine andere Person ist nicht dafür verantwortlich uns glücklich zu machen. Ich will damit dar nicht sagen, dass all diese Dinge schlecht sind und wir keine Partnerschaften mehr führen sollten, weil sie uns nicht glücklich machen! Auf gar keinen Fall! Sie können definitiv zu unserem Glücksempfinden beitragen und uns so Vieles geben. Doch letztendlich sind sie nicht der Ursprung unseres Glücks. Der Ursprung des Glücks liegt in uns selbst.

 

Lea-Sophie Baier, Studentin der Integrativen Gesundheitsförderung


Oftmals drehen sich unsere Gedanken um das Selbstbild und den Menschen als separate Person, da man sich oft an eine Vorstellung versucht anzupassen. Man befindet sich somit dauerhaft auf der Suche nach Glück (…). Erst durch das Seminar wurde mir das alles selbst bewusst und ich fing an darüber nachzudenken und es wurde mir immer deutlicher. Seitdem ist mir dies bei jeder Situation bewusst und ich versuche nicht wieder in das Muster zu verfallen, wie es vorher war. Ich bin dadurch glücklicher und zufriedener geworden, auch wenn man nicht immer dem bewusst nachgeht, hilft es ungemein. Deshalb würde ich jedem raten, sich dessen ein wenig zu behalten, um selbst zufriedener zu werden.

 

Studentin der Innenarchitektur


lm ersten Teil „Einheit der Welt“ bezogen sich die Experimente auf die Beziehung zwischen uns als Subjekten und den Dingen und Gegenständen in Form von Objekten. Hierbei stellten wir fest, dass es eine strikte Objekt-Subjekt-Trennung nicht gibt, da es nicht möglich ist, als Subjekt ein Objekt zu betrachten, ohne es durch unsere Anwesenheit und Beobachtung zu beeinflussen. (…) lm zweiten Teil „Denken und Bewusstsein“ nahmen wir unseren Vorgang des Denkens genauer unter die Lupe. Hierbei legten wir das Hauptaugenmerk auf das „denkende Ich“ und darauf wer oder was unsere Gedanken wahrnimmt. Die Ansicht, dass es in uns einen Denker gibt, der für uns denkt, führt in einen Teufelskreis, da es dann gezwungenermaßen in diesem Denker einen weiteren Denker geben muss und so weiter. Sehr anschaulich fand ich an dieser Stelle den Vergleich mit vielen ineinandergesteckten Matroschkapuppen. Somit denkt nicht das „Ich“, sondern das „Ich“ lässt sich als Teil des eigentlichen Denkens betrachten und ist mit der Umwelt untrennbar miteinander verbunden. Wir kamen zu der Ansicht, dass alle Gedanken, Empfindungen und Eindrücke von uns bezeugt werden und dass wir mit der Bezeichnung unseres „Ichs“ ein bezeugendes Bewusstsein meinen, dass für uns einen komplexen und andauernden Hintergrund in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für alle unsere Erfahrungen darstellt. Der dritte Teil „Die Natur des Bewusstseins erforschen" zielte darauf ab, zu überprüfen, auf welche Art und Weise uns Bewusstsein erfährt und wie es zu so etwas wie Selbstbewusstsein kommt. Weiterhin hielten wir fest, dass es keinen Unterschied zwischen einem inneren Bewusstsein „in mir“ und der äußeren Welt „außerhalb von mir“ gibt. Es ist somit keine Teilung der Wahrnehmungen in Innen und Außen möglich. Der „Wahrnehmer“ unserer Welt in uns wurde mit einer Kinoleinwand verglichen, die an sich unpersönlich und grenzenlos ist, jedoch den individuellen Film unseres persönlichen Lebens und unserer objektiven Ausprägung in Form von Gestalt, Aussehen und Charakter zeigt. lm vierten Teil „Alles ist Bewusstsein“ kamen wir zu der Erkenntnis, dass es weder eine Trennung zwischen dem bezeugenden Bewusstsein und der von ihm bezeugten Welt noch vom Wahrnehmenden und vom Wahrgenommenen gibt. Es gibt keinen Beweis für eine „materielle Welt“ außerhalb von uns, da unsere Wahrnehmungen von unserem Bewusstsein erschaffen werden und somit ein interpretiertes, repräsentatives Konstrukt der Welt erzeugt wird. 

Trotz meiner anfänglichen Skepsis gegenüber dem Seminar bin ich im Nachhinein froh, dass ich am Seminar teilgenommen habe. Zu jederzeit war die Atmosphäre im Seminar eine völlig entspannte. Ich war begeistert, inwiefern die Studenten und Studentinnen sich auf die Experimente der Präsentierenden eingelassen haben und dort aktiv mitgewirkt haben. Auch als ich selbst zweimal mit der Durchführung eines Experimentes mit meiner Gruppe an der Reihe war, hörten die Studenten uns aufmerksam zu und beteiligten sich merkbar aktiv an den Versuchen. Obwohl die Seminarteilnehmer aus verschiedensten Studiengängen der Hochschule in das Seminar  eingeteilt wurden, hat es mich verwundert, wie sich verschiedene Teilnehmer mit ihren persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen sowie zum Teil sehr privaten Beiträgen in die Gruppe eingebracht haben und ehrliche Antworten, Vorschläge und Ideen zu den Themen beigetragen haben. (…) Ich habe aus den Experimenten eine Menge über das „Ich“ und das „bewusste Sein“ von mir selbst erfahren und erwische mich des Öfteren dabei, dass ich in einigen Situationen mit einem anderen Blickwinkel- den ich mir im Seminar angeeignet habe - auf das Geschehen blicke. 

 

Daniel Schmidt, Student Bauingenieurwesen


Viele Menschen streben nach Leistung, Erfolg und Glück. Sie suchen ihre Erfüllung in Hobbys oder Beziehungen. Die Erfahrung aus dem Kurs zeigt jedoch, dass sich das Glück nach dem Erreichen der Ziele nur kurzzeitig einstellt und schnell wieder verschwindet. Somit entsteht ein neues zu erreichendes Ziel, welches unser Ich erneut von der Außenwelt abgrenzt. Er herrscht wieder das Prinzip der Trennung. Die daraus resultierende Unzufriedenheit will durch das Streben nach Verbesserung kompensiert werden. Der Mensch sucht also sein Glück in der Zukunft durch das Verlassen des „Hier und Jetzt“. Der Teufelskreis hat begonnen. (…) 

Die Bewusstseinsexperimente des Kurses haben gezeigt, dass die Substanz des Ichs das bezeugende Bewusstsein ist. Denn alles, was wir zu sein glauben - unser Körper, unsere Gedanken und unsere Gefühle ist in stetigem Wandel. Die Gedanken, die ich als Kind hatte, unterscheiden sich von meinen heutigen Gedanken. Mein Körper hat sich im Laufe der Zeit vom Kind zum Erwachsenen verändert. Damals habe ich anders gefühlt als heute. Wie kann ich also etwas SEIN, das sich ständig verändert? Dieser Auffassung zufolge ist das Ich also etwas, das schon immer da war und sich nie verändert hat. Es ist das Bewusstsein. Das Bewusstsein weiß immer um sich selbst, es wusste immer um sich selbst und wird auch immer um sich selbst wissen. Es ist immer da. lm Hinblick auf diese Erkenntnis lässt sich erklären, warum das Ich niemals etwas Objektartiges, also unser Körper und Geist, sein kann. Somit ist das eigentliche Ich unbegrenzt, da es keine Trennung mehr gibt. Und wenn es keine Trennung gibt, so gibt es auch keine Unvollständigkeit. „Ich“ bin das unbegrenzte, bezeugende Bewusstsein. (…)

Auch ich war vor der Teilnahme am Kurs „Wer ist ich?“ nicht von der Auffassung befreit, das eigene Ich als eine Person bestehend aus Körper und Geist zu beschreiben. Ich hätte zusätzlich meine Charaktereigenschaften, meine Hobbys und meinen Lebenslauf dargelegt. Auch nach der Teilnahme am Kurs erweist es sich immer noch als schwierig, die Trennung zwischen dem Ich und der Umwelt zu vermeiden. Ich habe mich mein ganzes Leben bisher als eigenständige Person gesehen, die sich von anderen Personen und der Umwelt unterscheidet. Nach den durchgeführten Experimenten ist es mir nun eher - zumindest für einen kurzen Moment - möglich, mich als Einheit mit der Welt zu betrachten und die Trennung zu umgehen.

 

B. Allen, Studentin der Integrativen Gesundheitsförderung


Die meisten von uns waren schon einmal in einem Kindergarten - viele selbst als Kinder, manche als Praktikanten und einige wegen der eigenen Kinder, Nichten oder Neffen. Man muss nicht lange dort sein, um zu erkennen, dass im Kindergarten genau das erlernt wird, was Menschen später unglücklich machen wird. Die meisten Kindergärten werben sogar dafür... „Wir fördern Ihr Kind als Individuum“ - „Wir bieten Fremdsprachen und Vorschulkurse, um Ihr Kind optimal auf die Schule vorzubereiten“ - „Hier werden Sie stolz auf Ihr Kind sein“ Schon von Kindesbeinen an werden wir also auf Wettbewerb getrimmt. Die Eltern wollen, dass das eigene Kind besser lesen kann, schöner malt und schneller rechnet als die anderen... In der Schule wird das noch extremer. Wir werden nach Noten beurteilt, von anderen Kindern ausgegrenzt, wenn wir schlechter abschneiden, von Lehrern und Eltern möglicherweise bestraft, wenn wir keine passablen Noten haben. In den weiterführenden Schulen werden wir nach Leistung getrennt. (…) 

Durch die Objektivierung und Individualisierung eines Menschen als „Student, Frau, Hausmeister, Fußballer, Deutscher...“  fühlen wir uns automatisch von unserer Umwelt getrennt und ziehen zwischen ihr und unserer Person eine unsichtbare Grenze. Ein weiteres Beispiel für eine Trennung ist die Abgrenzung von dem „Ich“ als Innenwelt und der „richtigen“ Welt mit den anderen als Außenwelt. Eine zusätzliche imaginäre Trennung ist die unseres Geistes und unseres Körpers. Wenn wir weiter nachforschen, können wir noch mehr unsichtbare Trennungslinien, die uns ein Gefühl der Isolation geben, erkennen. Mit dieser Isolation teilen wir die Welt, damit auch uns selbst und alles was dazugehört, in Puzzleteile auf. Diese fügen wir meist gar nicht mehr zusammen, weil uns nicht bewusst ist, dass diese Aufteilung der Ursprung unseres Fehlverhaltens ist. Die Lücken und Abstände zwischen den Teilen geben uns ein Gefühl der Unvollständigkeit. Wissen wir also nicht von der Einheit des „Alles“ und der eigentlichen Nichtexistenz von Grenzen und Trennungen, versuchen wir als Betroffene diese Lücken und Abstände in den unterschiedlichsten Arten zu kompensieren. (…)

Dass Erfolg, Leistung und Ansehen weiterhin nicht hilfreich für das Erreichen des vollständigen Glückes ist, hat mir auch der Sport gezeigt. (…) Am Ende ist die Enttäuschung größer, als alle Glücksmomente nach den Siegen zusammen. An diesem Punkt wurde mir klar, dass es so nicht weitergehen kann und ich eigentlich wieder gerne ein gutes Gefühl beim Sport haben möchte. Daraufhin bin ich in die zweite Mannschaft eines anderen Vereins gewechselt, wo es mehr um Spaß als um Leistung geht. Im Gegensatz zum Erreichen eines Zieles (Sieg) fühlte sich das Loslassen all dieser Ziele und Zwänge der Mannschaft langfristig befreiender an. Endlich spiele ich wieder, weil ich will und nicht, weil ich muss. Im Nachhinein kann ich erkennen, dass all dies nur Versuche waren, das „getrennte Ich“ durch Erfolg, Ruhm und Anerkennung zu vervollständigen. Durch das Fokussieren auf das Ziel (den nächsten Sieg, eine höhere Liga...) haben wir die Gegenwart immer wieder verdrängt und auf unser Glück in einem zukünftigen Moment gesetzt. Im Grunde ein stetiger Regress, der nicht dauerhaft glücklich werden lässt. (…) Jetzt im Nachhinein kann ich erkennen, dass Erfolg nicht zwangsläufig glücklich macht, sondern meist noch mehr Probleme bereithält. Erfolgsdenken beschert sowohl dem „Besseren“ als auch dem „Schlechteren“ Unglück in Form von Neid, Hass und Intrigen. (…) Die Verdrängung der Gegenwart kann jeder selbst nachspüren, denn wir fühlen uns meist so, als wären wir kurz vor dem Absprung in den nächsten Moment. (…) 

Also ist es umso wichtiger, sich durch Selbstexperimente bewusst zu machen, dass der Widerstand, den wir in der Gegenwart spüren, das Denken an die Zukunft und das Warten auf das Glück, nur von uns selbst erschaffen wurde. Denn eigentlich existiert weder der Druck durch Zeit und Raum noch die Kante zum nächsten Moment noch eine Begrenzung oder Unvollständigkeit des Moments. All das wird nur empfunden, da wir uns fälschlicherweise von Kindesbeinen an einen Trennungsglauben aufbürden. Eine Trennung von Räumen und Zeiten, eine Trennung von Personen, eine Trennung von Seele, Körper und Verstand, oder eine Trennung von „Innenwelt“ und „Außenwelt“. Dieser Trennungsglaube hinterlässt ein Gefühl der Unvollständigkeit. (…) Erinnern wir uns jedoch an den Moment des Glückes nach dem Erreichen eines Zieles. Ist es möglich, dass wir nicht glücklich sind, weil wir ein Ziel erreicht haben, sondern weil wir in diesem Moment gar kein Ziel haben? Dass das Gefühl der Freiheit besteht, weil wir etwas losgeworden sind, so wie ich beim Ausstieg aus der Leistungs-Fußballmannschaft? Weil wir den Teufelskreis durchbrochen haben?

Wichtig ist also, dass wir nichts ersehnen, nichts suchen und auf nichts warten, denn alles was wir brauchen, ist bereits vorhanden. Und das sind einfach wir selbst. Das bin einfach ich selbst. Nur das brauchen wir, um glücklich zu sein. Nur das brauche ich, um glücklich zu sein. Keine Ziele und Wünsche, denn nur wenn wir zielbefreit agieren, können wir eine ungezwungene Dynamik spüren, glücklich sein.

 

Studentin der Integrativen Gesundheitsförderung


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Seminar „Wer ist Ich?“ für mich ein interessantes und eindrückliches Seminar war. Ich habe viele neue Perspektiven kennengelernt und konnte selbst nochmal überlegen, wie ich zu einem Thema stehe. Ich habe Teile des Seminars auch mit meinem Partner und Freunden etwas besprochen und konnte so auch andere Meinungen dazu hören. Manche Experimente haben mich sehr zum Nachdenken angeregt, andere waren am Anfang vielleicht etwas verwirrend, aber das hat sich recht schnell geklärt, nachdem wir darüber gesprochen hatten. Auch das Diskutieren mit den Kommilitonen war immer sehr interessant und ich konnte immer wieder meinen eigenen Standpunkt reflektieren. Es hat auch Spaß gemacht, die Experimente vorzubereiten, durchzuführen und an den anderen Experimenten teilzunehmen (…) Den Aufbau des Seminars fand ich gut; mit der Mischung von Einführung, Experimenten und Diskussion wurde es nie langweilig. Auch war es zeitlich angemessen. Ich würde den Kurs wieder belegen, da es viel Spaß und neue Erkenntnisse gebracht hat. Ich gehe sehr zufrieden und bereichert aus diesem Seminar.

 

Studentin der Integrativen Gesundheitsförderung 


Als ein weiteres interessantes Thema empfand ich die eigene Innere Stimme als Ich. Wo kommt diese her, wer ist sie und vor allem wie kann es sein, dass sie überhaupt da ist? Wer denkt für mich und wie können sich Gedanken eigentlich entwickeln? Nur, weil wir wissen, dass man seine eigene innere Stimme hat, muss diese nicht direkt das Ich sein. Auch wenn man sich stark konzentriert, findet man keine „Lücke“ zwischen den Gedanken, in der man erkennen kann, wer dieser Denker ist. Gedankengänge lassen sich zwar zurückverfolgen, aber deren Herkunft kann nicht bestimmt werden. (…) Ich erwische mich auch oft dabei, darüber nachzudenken, wie man denkt. Es gibt keine beeinflussbare innere Stimme, man kann ihr nicht nachgehen und sie auch nicht greifen. In den seltensten Fällen kann man sich überhaupt noch daran erinnern, an was man vor einer Woche gedacht hat. Aber nehmen wir Gefühle und Empfinden nur im „Inneren“ wahr, oder gibt es das „Innere“ eigentlich gar nicht? Nichts beschreibt eine wirkliche Grenze, wo das Berühren von Hand an Hand aufhört und wo diese Empfindung eigentlich ankommt. Wer empfindet diese Berührungen? 

Ein weiterer sehr interessanter Punkt ist der rosarote Elefant. Wenn jemand sagt, man solle nicht an etwas Bestimmtes denken, tut man es im Endeffekt doch. Zumindest beschäftigt sich die innere Stimme mit dem Thema, da das Nicht-Daran-Denken zeigt, dass man genau daran gedacht hat, um nicht daran zu denken. Auch wenn wir uns in einem Raum umsehen, beschriften und beschreiben wir die darin vorhandenen Gegenstände direkt. Es ist nahezu unmöglich, irgendetwas zu sehen und sich in Gedanken absolut gar nicht damit zu beschäftigen. Man kann seine Gedanken nicht von seiner Umwelt trennen und damit wurde die Aufforderung „Sei spontan“ zu einer fast lustigen Diskussion während des Seminars. Zuerst muss man erfassen, spontan zu sein, um überhaupt handeln zu können, womit es wiederum aber nicht mehr spontan ist. (…)

Hier stellte sich die Frage, ob das Ich, das jetzt ist, immer noch das gleiche ist, wie vor 10 Jahren, obwohl ich im Laufe der Zeit andere Ziele, Träume oder Erlebnisse habe und ob dieses Ich auch noch in weiteren 10 Jahren dasselbe ist. Die Antwort ist natürlich Ja. Geistige Inhalte wie Emotionen und Berührungen werden von etwas erfasst, dass man nur als Ich bezeichnen kann, da meine Emotionen sonst niemand anderes fühlen kann als Ich. (…) Das Ich bleibt, da es keine Sinneswahrnehmung ist, sondern der Wahrnehmende. Auch wenn wir „Nichts“ wahrnehmen, nehmen wir genau das wahr. Der Bewusstseinsraum des Ichs wirkt unendlich und alles, was passiert, passiert genau dort und in mir. Das treffendste Zitat der Vorlesung ist „Du bist dein eigenes Universum“. Das Seminar „Wer ist Ich“ lädt dazu ein, sein Ich und sein Selbst neu und vielleicht sogar besser zu definieren. Der Standpunkt, dass das Ich keinen definierbaren „Standpunkt“ hat, wurde interessant in Form von Gruppenarbeiten analysiert und somit wurde während des Seminars eine sehr entspannte Atmosphäre geschaffen. Jedes einzelne Kapitel lädt dazu ein, zu hinterfragen, welchen Platz Ich überhaupt habe und bietet eine spannende Grundlage, sich selbst erst einmal richtig bewusst zu werden. 

 

Studentin Bauingenieurwesen


Um herauszufinden, inwiefern mich meine persönlichen Stärken und Schwächen individuell machen, sollte zuvor dieser Grundgedanke verständlich sein: Jeder hängt mit jedem zusammen. Sowohl die Welt als auch mein Körper sind lediglich Teile von mir. Auch wenn sich viele durch ihren Körper definieren und ihn als ihr individuelles Gut ansehen, wird dem Körper aus dieser Sicht eine ganz andere Aufgabe zugeschrieben: er dient als eine Art Filter, Erfahrungen wahrzunehmen. Er selbst erfährt diese aber nicht, schließlich ist es nicht der Körper, der Erfahrung bezeugt, sondern vielmehr unser Bewusstsein. Dieses ist das entscheidende Element, das uns im Kern alle gleich macht, während uns unser Äußeres auf den ersten Blick zunächst einmal voneinander abgrenzt und unterscheidet. Aber was ist überhaupt dieses Bewusstsein, das wir alle haben? Prinzipiell ist es nichts anderes als „bewusst zu sein“. Man ist sich also bestimmten Dingen bewusst. Ob das nun die Tatsache ist, dass man selbst ein Mädchen oder ein Junge ist oder ob man sich bewusst ist, dass man eventuell mehr für den anstehenden Test hätte lernen sollen, macht keinen Unterschied. Denn jeder erfährt andere Dinge, jedoch auf der gleichen Basis. Um das zu verdeutlichen, kann man das Bewusstsein mit einer Leinwand vergleichen und sein Leben mit dem darauf gezeigten Film. Stellt man nun neben „seiner eigenen“ Leinwand noch eine weitere Leinwand auf, lässt dort einen anderen Film ablaufen und beginnt langsam all die verschiedenen Elemente beider Filme auszublenden, bleiben zum Schluss nur noch die beiden Leinwände übrig. Unverändert und jeweils identisch zueinander; Man kann also sagen, dass, egal wie unterschiedlich all die Dinge sind, die wir erleben, wir letztendlich doch aus dem gleichen Holz geschnitzt sind, und Erfahrungen auf die gleiche Art und Weise wahrnehmen. Kurz gesagt, das Bewusstsein ist das, was jeden Einzelnen von uns miteinander verbindet. (…)

Allem in allem kann man sagen, dass das was wir besitzen oder wir uns leisten rein gar nichts mit unserem eigenen Sein, mit unserer eigenen Individualität zu tun hat. Denn ich selbst habe keine Mängel. Ich bin so vollständig wie ich bin. Ich habe es nicht nötig mich mit irgendwelchen Objekten zu erweitern beziehungsweise zu vervollständigen. Alles was ich brauche, ist was ich bereits bin. Um das zu beweisen muss man sich nur für einen kleinen Moment auf sich selbst konzentrieren und in sich hineinspüren. Fehlt mir irgendetwas? Bin ich auf irgendeine Art und Weise eingeschränkt oder bin ich ein Ganzes? Nach meinen persönlichen Erfahrungen ergibt sich die Antwort, dass mir nichts fehlt. Alles ist so wie es sein soll. Und selbst wenn ich einen Finger verlieren würde - es wäre wohl im ersten Augenblick ein merkwürdiges Gefühl, allerdings bleibt dieser Gefühlszustand nur temporär bestehen. Denn schon bald würde ich mich auch an diese Gegebenheit gewöhnen und nicht weiterhin das Gefühl haben, als wäre ein Teil von mir gegangen oder als würde irgendetwas an mir fehlen. Mein Bewusstsein würde dennoch das gleiche bleiben. Alles ist so wie es ist und alles Weitere darum herum ist lediglich eine Interpretation, die von uns Menschen geschaffen wird. Eine selbst erschaffene, gedankliche Trennung, die in Wirklichkeit gar nicht existiert. Ich bin und bleibe ich selbst und doch bin ich mit allem auf dieser Welt verbunden, wie das Beispiel mit der Leinwand gezeigt hat. Unsere Welt besteht folglich aus unzähligen Beziehungen, die nur gedanklich durchtrennt werden. Jedes Objekt hat die gleiche Gültigkeit, denn im Prinzip ist alles gleichgültig. Gleichgültig im Sinne von, nichts hat einen höheren Wert als etwas anderes, da alles im Bezug zueinander steht und da nichts mangelhaft ist.

 

Katharina Graf, Studentin der Integrativen Gesundheitsförderung


Zuerst kann man sagen, dass wir alle mehr sind, als bloß unsere Physis. Mein Körper definiert nicht wer ich bin, denn mein bloßes Äußeres sagt nichts über mein „Ich“ aus. Man kann sich beispielsweise die Haare färben, sich Piercings und Tattoos stechen lassen, oder sein äußeres Erscheinungsbild anderweitig verändern, im Prinzip sind wir immer noch der gleiche Mensch. (…) Wir sind auch mehr, als bloß unsere Gedanken. Bei dem vierten Experiment dieses Seminars sollten wir den Denker in uns finden. Dabei haben wir darauf geachtet, wie sich unsere innere Stimme anhört und wo sie sich in unserem Körper befindet, wir haben erkundet wie eine Entscheidung entsteht und durch was diese beeinflusst wird. (…) Aus dem fünften Experiment habe ich mitgenommen, dass wir unsere Gedanken kaum kontrollieren können und wir hauptsächlich über uns selbst nachdenken. Deshalb schließe ich daraus, dass mein „Ich“ nicht meine bloßen Gedanken sind, denn dann könnte ich weder meine innere Stimme wahrnehmen, denn ich wäre ja meine innere Stimme, noch könnte ich über mein „Ich“ nachdenken, denn mein Denken wäre ja mein „Ich“. (…)

Für mich persönlich hat das Seminar immer wieder gezeigt, dass jeder Einzelne eine wichtige Bedeutung in der Welt hat.

 

Studentin der Integrativen Gesundheitsförderung


Wenn wir darüber nachdenken, was wir früher mal gemacht haben, sei es in unserer Kindheit oder Jugend gewesen oder ist es auch erst ein paar Minuten her, dann denken wir über die Vergangenheit nach, aber wenn wir uns bewusst werden, was unsere Wunschvorstellungen für die Zukunft sind, was wir erreichen wollen, wo wir arbeiten wollen, dann denken wir über die Zukunft nach und unterscheiden somit, was mal gemacht worden ist und was noch getan werden kann. Doch der eigentliche Augenblick, in dem wir über Vergangenheit und Zukunft nachdenken, liegt in der Gegenwart. Egal was wir versuchen, sobald wir etwas machen, fühlen, wahrnehmen oder auch nur denken: Wir verrichten es im Jetzt, in der Gegenwart. Weil man aber seine Gedanken nicht abstellen kann, sondern immer am Überlegen ist, kommt man zu dem Schluss, dass der Augenblick, den wir wahrnehmen, dass das Jetzt, in dem wir etwas tun, gar nicht zeitlich beschränkt sein kann, sondern vollkommen ist.

 

Studentin der Integrativen Gesundheitsförderung


Da es Zeit also nur als Konstrukt in den menschlichen Köpfen gibt und nicht als empirische Wahrheit, ist sie praktisch nicht real. Sie existiert nicht. Somit gibt es auch keine reale Einteilung der Zeit wie Vergangenheit und Zukunft. Diese Vorstellungen gibt es nur in unseren Gedanken. Ausschließlich auf diesem Weg können wir „zeitreisen“. Mit dieser Erkenntnis kommen wir weiter zu dem Schluss, dass wir die Zeit und das, was in ihr passieren könnte, nicht vorhersagen können. Diese Bestimmung und dieses Schicksal können nicht gültig sein. Alles, was passiert, passiert im Jetzt. In diesem bestimmten Moment. Man kann ihn nicht erhaschen und festhalten. Er kommt und vergeht ständig und ist dadurch immer da. Er ist unsere Ewigkeit…

 

Studentin der Innenarchitektur